Im Herzen von Korsika

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Die via Scoliscia windet sich bis zur Mauer der Zitadelle von Corte hoch. Kurvig und von zweiundurchdringlichen Mauern alter Häuser eingeschlossen klettert sie hoch bis zur Altstadt. Ihr bizarrer Name, Scoliscia, kommt wahrscheinlich von ihrer Funktion als Wasserabfluss her, die sie noch immer in der Zeit der Gewitter hat, wenn sie sich in einen Wildbach verwandelt. An ihr ist wirklich nichts erhaben, raffiniert oder spektakulär. Und trotzdem ist sie für Korsika nicht weniger wichtig, als die Champs Elyses für Paris oder für ganz Frankreich. Sie ist die Straße des Triumphs, des Gedächtnisses und des Nationalstolzes. Die Zitadelle dort oben ist eine Steinmauer, die sich steil über einem Felsabhang erhebt: Symbol für das alte Korsika, das seine Identität und seine Autonomie verteidigt. Und sie ist der ideale Ausgangspunkt für eine „alternative“ Rundfahrt auf der Insel, auf der man historisch-künstlerische Winkel und Naturschönheiten von Korsika entdecken kann, die sonst vom Badetourismus vernachlässigt werden.

Korsika-Urlaub: Corte und Umgebung entdecken

Corte stellte die Bühne dar für die drei historischen Helden der Unabhängigkeitsbewegung: Sampiero Corso, Giampiero Gaffori und Pasquale Paoli. Paoli hat 1755 Corte zur Hauptstadt des befreiten Korsika gemacht: eine kurze Illusion, die 14 Jahre später mit der Schlacht von Ponte Nuovo zu Ende ging, welche die Insel für immer unter französische Vorherrschaft gebracht hat. Im Herzen von Korsika gelegen, bringt Corte (der Legende nach von einem Gefährten Eneas gegründet) auch nach vielen unerfüllten Träumen noch heute den strengen und starken Geist der Insel und ihrer Bewohner zum Ausdruck. Auf Schritt und Tritt erinnert sie den Besucher an die Legenden der Vergangenheit: hier eine Heldenstatue und dort das verwünschte Haus eines Verräters …

Korsika: Urlaub mal anders, tief im Inneren der Insel

Nach diesem Bad im korsischen Unabhängigkeitsstreben ist der Besucher soweit, das alte und geheimnisvolle Korsika zu entdecken. In Richtung Norden, auf der zwischen den Berggruppen der Castagniccia im Osten und denen des Niob im Westen eingeschlossenen Straße, kommen wir in eine der wildesten und eindrucksvollsten Gegenden des Landesinnern. Man meint, in der Zeit zurückzugehen: dieses Gebiet muss auch vor 100 Jahren genau so ausgesehen haben. Die Dörfer auf den Felsen haben noch ihr mittelalterliches einfaches und harmonisches Aussehen: ein Häufchen Steinhäuser mit braunen Ziegeldächern und ein Glockenturm, der alles überragt.

Märchenhafter Korsika-Urlaub

Entlang der Straße findet man des Öfteren kleine Grotten im Fels mit Brunnen aus Stein und Schmiedeeisen, die dazu einladen, das „Wunderwasser“ der alten Quellen zu trinken. Gelegentlich zeigt ein Schild kurze Abweichungen von der Straße an und man kommt auf Feldwegen zum Vorhof eines Bauernhofes, wo ein mürrischer Bauer in seinem aufrichtigen korsischen Dialekt die einfache Güte seines Weins anpreist. Andere Male kann man zu Fuß zauberhafte Orte besichtigen: Steilwände, glasklare Bäche, Lichtungen und Unterholz, wo man angenehm verweilen kann, Seen und Wasserfälle (wie der von Lecelluline), die man nicht mehr verlassen möchte. In der Castagniccia gibt es auch Kunstschätze und zauberhafte Spuren der Vergangenheit, sicherlich nicht so beeindruckend, wie die Griechenlands, aber alle bezeugen einen reinen christlichen Glauben.

Korsika-Urlaub: Reisetipp Lucciana

Einige Kilometer östlich von Ponte Nuovo, kurz vor der Küste kommt man nach Lucciana, wo sich vor uns ein Juwel des Mittelalters auftut: die Friedhofskirche von San Parteo aus dem elften Jahrhundert. Es handelt sich um eine der wenigen nicht zweifarbigen Kirchen auf Korsika, die vor allem für ihre Apsidalseite bemerkenswert ist, die aus einem Kreis von Halbkolonnen mit korinthischen Kapitellen und „falschen Bögen“ aus weißem Kalk mit Symbolen und Skulpturen besteht. Von Lucciana aus erreicht man auf der Straße nach Bastia nach wenigen Kilometern eine Abzweigung nach Osten, die nach Murato führt: Hier, inmitten einer Lichtung steht die wunderschöne Kirche von San Michele. In der ersten Hälfte des 12. Jhds. aus weißen Kalk- und grünen Serpentinfelsblöcken erbaut, zeichnet sich San Michele di Murato durch seinen Glockenturm aus, der in die Fassade eingelassen worden ist und von zwei Säulen getragen wird, die als Eingang zu einer winzigen Vorhalle dienen.

Richtung Süden, auf der Küstenstraße von Korsika, die nach Aleria führt, treffen wir auf eine weitere mittelalterliche Schönheit nicht weit von Cervione entfernt: es handelt sich um die Kapelle von Santa Cristina in Valle di Campoloro. Der Innenraum ist mit seneser Fresken aus dem 15. Jh. ausgeschmückt und die beiden Zwillingsapsissiden sind eine wahre architektonische Rarität. Noch weiter südlich befindet sich ein letztes Zeugnis des mystischen Mittelalters: die wunderbare Kirche von San Giovanni Battista in Carbini, Ende des 11. Jhds. Einfach, streng und einfarbig gelb ist sie ein Zeugnis für die Geschichte der Ketzersekte der Johanniter auf Korsika, die von Papst Urban V. vernichtet wurde.

Das Innere der Insel überzeugt durch korische Landschaft und Lebensart. Damit wird Korsika zu einem wunderschönen Ziel für einen Urlaub am Mittelmeer.

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