Korsika-Urlaub: die Magie der Calanches

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Man sagt, der Küstenstreifen mit den Calanches zwischen Galeria und dem Roten Kap sei nicht nur der eindrucksvollste von Korsika, sondern des ganzen Mittelmeeres. Es wäre zu einfach, zu sagen, dies sei nur der Ausspruch eines Korsen, um leichtgläubige Touristen anzulocken. Im Gegenteil, es ist alles wahr.

Was immer man auch tut, wenn man einmal vor so Wunderbarem steht, verschlägt es einem die Sprache. Doch was macht diese Orte so wunderbar? Vor allem die Tatsache, dass hier in wenigen Kilometern die eindrucksvollsten Naturerscheinungen auf Korsika konzentriert sind. Angefangen bei jenem Paradiesrest des Naturreservats von Scandola, um dann weiterzugehen zur wilden Schönheit des Golfes von Porto und zu den eindrucksvollen Calanches von Piana. Die Bucht der Girolata ist von der UNESCO zum „Weltnaturbestand der Menschheit“ erklärt worden. Doch der Reihe nach.

Fahrt zu den Calanches

Vom Land aus praktisch unerreichbar wegen strengen Verordnungen und dem Fehlen von Wegen, ist das Naturreservat von Scandola einer der unbekanntesten und überraschendsten Winkel auf Korsika. In etwa entspricht es der Halbinsel der Girolata, d. h., des westlichsten Teils des Regionalen Naturparks: zwischen Land und Meer liegen hier etwa 2.000 Hektar unberührter Natur, ein Reich von Vögeln, kleinen Säugetieren, Kormoranen, Wanderfalken und Seeadlern. Auch die Meeresgründe stehen in nichts nach: Das Kobaltblau des Meeres versteckt großartige Gorgoniden- und Korallenwälder, allesamt „off-limits“. Das einzige Mittel, mit dem es erlaubt ist, diesen Paradieswinkel im Korsika-Urlaub zu entdecken, ist das Boot, und dies auch nur, wenn man weit genug von der Küste wegbleibt und keine Tauchversuche macht. Die kleine Kreuzfahrt sollte man sich jedoch nicht entgehen lassen; die Ausflugsboote, die regelmäßig von Porto aus abfahren, dringen zwischen den tausend Absperrungen, den roten Granitfelsen, den Meeresgrotten und den Steilküsten in die Calanches ein. Wenn man diese Küste vom Wasser aus beobachtet, wird einem klar, warum Korsika so oft als „Berg auf dem Meer“ beschrieben wird. Es reicht, den Blick an den Steilwänden emporgleiten zu lassen und man bekommt eine unwahrscheinlich „alpine“ Landschaft zu sehen. Diejenigen, die sich in das klare Wasser des Naturreservats stürzen, sind ohne Zweifel richtige, majestätische Berge, die dicht mit undurchdringlichem Maquis bewachsen sind.

Korsika: Lage der Calanches

Gradelle, Caspio und Bussaglia, das sind die drei hübschen Strände, welche die Felsenküste des großen Golfs von Porto nahe der Calanches säumen. Das Dorf ist von einer märchenhaften Umgebung eingeschlossen, die allerdings nur vom Meer aus bewundert werden kann. Eine Handvoll Häuser mit Hotels, Restaurants und kleinen Souvenirgeschäften, der unausbleibliche Felsvorsprung mit seinem genueser Turm und ein schöner weißer Strand: das ist Porto. Doch hinter ihm steigen imposante rote Granitfelsen auf und bilden eine phantastische Korsika-Kulisse, die sich bei Sonnenuntergang zu entzünden scheint. So schön ist Europas Süden.

Doch hat der überraschungsreiche Golf vor der Küste von Korsika noch Spektakuläreres zu bieten. Einige Kilometer von Porto entfernt, in Richtung Piana, verändert sich die Landschaft ganz plötzlich: hier beginnen die Calanches. Ein Gewirr aus roten Felsen, Kliffs und zackigen Steilwänden bilden Nadeln, Gipfel und Grate mit beunruhigenden Profilen und steilen Einbuchtungen, die von rauhen Felsen beschützt werden. Für die Wissenschaft sind die Calanches im Süden von Frankreich ein Erosionsphänomen, das aus der Kombination von Wind und Regen im Laufe einiger Jahrtausende entstanden ist.

Korsische Sage: Entstehung der Calanches

Für die Einheimischen allerdings kann jene enorme Anhäufung von Felsen, die im schneidenden Licht der letzten Sonnenstrahlen sogar ungeheuerlich aussieht, nur ein Werk des Teufels sein. Und Sagen über den Ursprung der Calanches gibt es auf Korsika dementsprechend viele. Die bekannteste erzählt, der Teufel habe sich in eine korsische Hirtin verliebt, die zwar wunderschön, aber ebenso frech war, ihm einen Korb zu geben und zu ihrer Verteidigung den Gatten zu rufen. Ihre Liebe ist so stark, dass der Teufel von seinem bösen Vorhaben absieht und verschwindet. Doch vorher hat er die Figuren der beiden Hirten noch in den Fels gehauen und sie mit beunruhigenden Tierfiguren umgeben. Eines Tages wandelt in dieser Gegend, die heute unzugänglich ist, der heilige Martin, der in diesem Chaos das Werk des Teufels wieder erkennt und beim Herrgott um Hilfe bittet. Das Wunder lässt dann auch nicht auf sich warten: Eine Welle ergießt sich über die Küste und legt bei ihrem Abebben den Golf von Porto frei. Heute noch kann man entlang der Wege zwischen den Calanches einige Figuren jener ungeheuerlichen Tierwelt entdecken, wie den Adler, den Löwen oder die Schildkröte. Doch auch hier gibt das Meer den besten Anblick, und zwar bei Sonnenuntergang, wenn es im Spiel der Schatten der roten Felsen vorkommt, dass man mit Schaudern das verschmitzte Lachen des Teufels wahrnimmt! Fantastisches Korsika, sagenhafte Calanches! Traumhaftes Reiseziel für einen Urlaub.

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